Was passiert gerade
Das Marktbild
ie CSRD hat in 18 Monaten zwei dramatische Bewegungen durchlaufen. Vom ursprünglichen Anwendungsbereich von rund 50.000 EU-Unternehmen schrumpfte der Pflichtkreis nach der Trilog-Einigung vom 16. Dezember 2025 auf rund 5.000 Unternehmen – eine Reduktion um etwa 90 Prozent. [1]
Parallel überarbeitete die EFRAG die European Sustainability Reporting Standards selbst und übergab der EU-Kommission am 3. Dezember 2025 eine Version mit 61 Prozent weniger verpflichtenden Datenpunkten. [2] Die Standards bleiben anspruchsvoll, werden aber praktikabler.
Auf dem Papier ist das Spielfeld schmaler geworden. Faktisch ist die Nachfrage nach ESRS-konformer Berichterstattung nicht verschwunden, sondern verlagert: in die Lieferketten der berichtspflichtigen Konzerne, in freiwillige VSME-Berichterstattung als Wettbewerbsvorteil, und in das Compliance-Anforderungsprofil von Banken und Kapitalmarkt-Akteuren. [3] Das eigentliche Spielfeld ist breiter als die Pflichtigen-Liste suggeriert, aber heterogener und kleinteiliger.
Wo die Lücke liegt
Die Lücke
n dieser Lage geraten klassisch operierende Beratungsboutiquen unter Druck. Der deutsche Consultingmarkt zählt rund 26.650 Beratungsunternehmen. Etwa 175 davon erwirtschaften jeweils über 50 Millionen Euro Jahresumsatz und teilen sich rund 45 Prozent des Marktes. Demgegenüber stehen rund 3.500 mittelgroße Häuser mit Umsätzen zwischen einer und 50 Millionen Euro sowie etwa 22.700 kleine Marktteilnehmer. [4]
Diese mittelgroßen und kleineren Häuser haben das Vertrauen ihrer Mandanten, die Strategie- und Transformationskompetenz, und oft die WP-Anbindung. Was ihnen fehlt, ist die technische und regulatorische Compliance-Infrastruktur, um ESRS-konforme Berichterstattung wirtschaftlich auszuliefern. Big Four bauen diese Infrastruktur in-house. ESG-Software- Suites bieten sie als Lock-in-Plattformen an. Boutique-Beratungen können sich weder das eine noch das andere leisten.
Wo der Boden wegbricht
Der unsichtbare Boden
SRS S1 – der Standard für die eigene Belegschaft – verlangt Belegschaftsdaten in einer Konsistenz, Granularität und Audit-Festigkeit, die in den wenigsten Unternehmen heute vorliegt. People Analytics ist in deutschen Unternehmen weitgehend im Aufbau, selten im strategischen Betrieb: Nur etwa die Hälfte der mittelgroßen bis großen Unternehmen (300 oder mehr Mitarbeitende) nutzt People Analytics systematisch, bei kleineren Unternehmen ist die Verbreitung deutlich geringer. [5] Wer keine saubere Datenarchitektur hat, hat auch keinen ESRS-S1-Bericht.